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 29.07.2010
 Der Tankstellen-Räuber aus Opladen ist geständig
  
  VON SIGRID SCHULZ - Leverkusen (RP) RHEIN-BERG/Leverkusen Als seine Frau ihn das erste Mal im Gefängnis besuchte, habe sie nur geschimpft. Schließlich sei er lieber freiwillig in seine Zelle zurückgegangen, berichtete der Angeklagte freimütig. Der 38-Jährige hatte recht wenig mit der Vorstellung eines gefährlichen Räubers gemein. Dennoch hatte der Opladener monatelang Angst und Schrecken verbreitet und war in insgesamt acht Raubüberfälle verwickelt gewesen. Für den letzten Raubzug hatte er seine Strafe schon erhalten, zwei Jahre auf Bewährung. Zuvor hatte sich der Mann nichts zuschulden kommen lassen. Gestern verurteilte ihn das Landgericht Köln unter Einbeziehung der ersten Strafe zu fünfeinhalb Jahren Haft.
  
 
Zwischen dem Gericht, dem Staatsanwalt und Verteidiger Pahlitzsch hatte es vor der Hauptverhandlung am Kölner Landgericht eine Unterhaltung gegeben. "Das Gericht sichert dem Angeklagten eine Strafe mit der Obergrenze von sechs Jahren zu, falls ein umfassendes Geständnis mit Nennung von Mittätern erfolgt", fasste der Vorsitzende Richter Karl-Heinz Schumacher das Ergebnis dieses Gespräches zusammen.

Raube, Spielen, neue Schulden

Und der dreifache Familienvater packte schonungslos aus, wobei teilweise absurde Zufälle zutage kamen. Demnach hatten Schulden, Spielsucht, Kokain, Speed und die Wirtschaftskrise den 38-Jährigen vom rechten Weg abgebracht. Nach elf Jahren Firmenzugehörigkeit musste er von seinem Arbeitgeber entlassen werden. Das führte dazu, dass das Spielen und die Drogen überhand nahmen.

Mit einer Waffe, die selbst von einer Sportschützin für echt gehalten wurde, hatte er die Überfälle teilweise alleine und teilweise mit zwei Mittätern ausgeführt. In einem Fall hatte der Opladener von einem Teil der Beute, die zwischen 300 und 3000 Euro gelegen hatte, seine ausstehenden Mietschulden bezahlt. Ansonsten ging es nach den Überfällen in eine Spielhalle, und das Geld landete wieder in Automaten. "Ich bin noch nicht mal dazwischen nach Hause gefahren", so der Angeklagte.


Den Fluchtwagen gefahren

Am 12. Juni 2009, vor dem Überfall auf die Esso-Tankstelle in Wermelskirchen, habe er mit seinem Komplizen zunächst in Remscheid gespielt. Dann hätten beide kein Geld und keine Drogen mehr gehabt.

Bei diesem Überfall habe er den Fluchtwagen gefahren, sein Komplize, gegen den der Staatsanwalt jetzt noch vorgehen wird, sei in die Tankstelle gegangen. Der vorsitzende Richter verlas dazu die Aussage des Kassierers. Der Angestellte habe gegen 3.45 Uhr die Zeitungen eingeräumt, als der Räuber ihn mit einer Pistole bedrohte. "Der Täter wirkte sehr nervös und war wohl noch nie bei uns, weil er die zweite Kasse nicht gesehen hat."

Die Beute aus diesem Überfall soll nur circa 300 Euro betragen haben.

Quelle: Rheinische Post
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